BKA

Wir sind alle Terroristen!

Mitschnitt der Veranstaltung "Wir sind alle Terroristen! Der § 129a und seine Folgen für Politik und Alltag", einer szenische Lesung und Diskussion in der Volksbühne in Berlin vom 16. Dezember 2007. Moderation: Constanze Kurz, Chaos Computer Club.
Anschauen lohnt. Ich habe ja bei den laufenden Verfahren immer das Gefühl es könne sich schlicht um Satire handeln. Die Schnüffler sind wirklich kreativ, wenn es darum geht sich möglichst lächerlich zu machen. Allerdings sind die Folgen dieser Kreativität dann eben gar nicht witzig, so das mir das herzhafte Lachen im Halse stecken bleibt.

Was ist Terrorismus?


Bild: (cc) epha

Hier winken attraktive Preise für die beste Definition:

* Stadtführung mit Andrej Holm und anderen latent terroristischen Stadtforschern zu Gentrifizierung in Prenzlauer Berg.
* Führung durch die AG FREIe HEIDe, dazu 3-5 Bilder von Aktionen in der FREIen HEIDe, gerahmt und mit Passepartout
* Eine unverfängliche Verabredung zur Lesung (Ort, Zeit und Agenda des Treffens werden persönlich vereinbart) mit den ebenfalls des Terrorismus verdächtigten Autoren des Buches „Autonome in Bewegung“.
* Jahresabo ak - analyse & kritik - zeitung für linke Debatte und Praxis
* 3 Exemplare von Volker Eick, Jens Sambale, Eric Töpfer (Hg.) Kontrollierte Urbanität. Zur Neoliberalisierung städtischer Sicherheitspolitik
* Hubschrauberflug nach Karlsruhe (Berücksichtigt werden ausschließlich strafrechtlich relevante Beiträge. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.)
* Broschüre "ANARCHISMUS"
* Jahresabo Prokla. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft
* Trostpreis: Prokla-Heft "Politik mit der inneren (Un)Sicherheit", erscheint im Herbst 2008 (als Gutschein)

Leben unter Überwachung

Die Partnerin von Andrej blogt über das Leben mit dem Terror durch das BKA:

"Gegen Ende dieses Treffens, einige Stunden später, klingelt bei Andrejs Eltern das Telefon. Sie werden von Andrej angerufen, genauer, von seinem Handy. Sagt der Display ihres Telefons. Sie nehmen ab. Und hören das Gespräch mit, dass Andrej bei seinem Termin mit dem Arbeitskreis Stadt gerade führt. Sie verstehen erst nicht, was vor sich geht und gehen von einem Versehen aus; es kommt ja vor, dass die Tastensperre vergessen und die Wiederholungstaste gedrückt wird. Erst später rekonstruieren wir, dass das nicht sein konnte, weil sich die Tastensperre automatisch einstellt und ja nicht er seine Eltern, sondern umgekehrt sie ihn angerufen hatten. Wahlwiederholung fällt damit aus. Weil es ihnen unangenehm ist, das Gespräch mitzuhören, vielmehr aber noch, dass die bekanntermassen ebenfalls mithörenden Behörden so klar das Gespräch verfolgen können, rufen sie mich an. Ob ich wisse, wer alles bei dem Treffen dabei sei und vielleicht Handy-Nummern der betreffenden Leute habe. Habe ich nicht. Stattdessen rufe ich Andrejs Handy an, aus quasi wissenschaftlicher Neugier: um zu hören, was passiert. Ein Freizeichen, fünf-, sechsmal. Dann: "Der gewünschte Gesprächspartner antwortet nicht. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.". Ich versuche es nochmal, das Gleiche. Noch eine Stunde später rufe ich ihn wieder an und komme durch. Andrej ist inzwischen unterwegs und berichtet, dass es seinen Eltern mittlerweile - von einem anderen Telefon aus - gelungen ist, ihn anzurufen. Ganz 'normal': sein Handy klingelt, sieht so aus wie immer, wenn die Tastensperre eingeschaltet ist und es dann klingelt. Er nimmt ab und telefoniert. Ganz normal eben."

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