Antonio Tabucchi

Antonio Tabucchi: Der verschwundene Kopf des Damasceno Monteiro

Der 26-jährige Journalist Fermino wird von seinem Chefredaktuer nach Porto geschickt. Dort ist eine Leiche ohne Kopf gefunden worden. Der überzeugte Lissaboner Fermino ist davon aus mehreren Gründen nicht begeistert. Das Schreiben für das Boulevard-Blatt hält er nicht für seinen Stil, statt dessen würde er lieber in der Lissaboner Bibliothek sitzen um an einem Essay über den portugisischen Nachkriegsroman zu schreiben, die Roamantheorie von Lukacs soll dabei Pate stehen. Die Trennung von seiner Freundin passt ihm nicht und gegen Porto hegt er Vorurteile.

Sein Chefredakteur quartiert ihn in der Pension von Dona Rosa ein, die ihm Kontakte zu Portos Unterwelt verschafft, so das er bald mehrere erfolgreiche Sonderblätter mit dem Fall füllen kann. Schließlich entsteht ein Kontakt zu dem Anwalt Don Fernando, genannt Loton. Dieser interessiert sich für den Mord weil er von Polizisten begangen wurde. Loton stammt aus adeliger Familie und kann es sich daher leisten die Habenichtse im Kampf um Gerechtigkeit zu vertreten. Neben der Zusammenarbeit anlässlich des Falles entwickelt sich zwischen den beiden eine ständige Diskussion um politische und soziale Themen. Der Anwalt, äußerst belesen und gebildet, geht seine Arbeit sehr philosophisch an. Als die Arbeit abgeschlossen zu sein scheint, taucht ein neuer Belastungszeuge auf. Fermino entscheidet sich...

Ein weiterer Volltreffer aus der Feder von Antonio Tabucchi. Spannend, intelligent, wunderschön geschrieben. Die gebundene Ausgabe ist 1997 bei Hanser erschienen und auf einschlägigen Plattformen sehr günstig zu beziehen.

Antonio Tabucchi: Piazza d´Italia

'tabucchi' von Corto

Durch "Erklärt Pereira" ist mir Antonio Tabucchi vor einigen Jahren das erste mal begegnet (nebenbei: es gibt eine sehr gute Verfilmung, wer sie noch nicht kennt - lohnt sich).
Piazza d´Italia stammt aus den Anfängen des politischen Autors Tabucchi, und ist 1975 in Italien erschienen. Der Roman behandelt die Geschichte einer toscanischen Familie über mehrere Jahrzehnte bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts. Die Piazza d´Italia in Borgia beherbergt ein Denkmal:

Die Kapelle nahm Aufstellung, die Musiker konnten es kaum noch erwarten anzufangen. Fräulein Cecchini stieg von der Tribüne herab, Arm in Arm mit dem Herrn mit der Goldbrille, und überquerte die erwartungsvoll schweigende Piazza. Das Band wurde durchgeschnitten, und das Laken glitt wie ein Kleidungsstück zu Boden, die Leute klatschten, und die Kapelle begann die Hymne zu spielen.
Plinio gefiel das neue Denkmal viel besser: Ein Soldat mit vom Wind zerzausten Haaren und einem Säbel an der Hüfte reichte einem majestetischen Herrn mit gezwirbeltem Bart ein kleines Mädchen. Das Mädchen streckte fröhlich die Arme aus, und auf der Schärpe über ihrer Brust stand ihr Name: Italien.
"Wer ist das", fragte Plinio und zog seinen Vater am Ärmel.
"Das ist Garibaldi, der Italien dem König übergibt".
"Und wer ist Garibaldi?"
"Der Herr der beiden Welten."
"Und wer ist der König?"
"Der neue Herr."

Im folgenden wird das Mädchen mehrfach einem neuen Herrn übergeben, diese Seite des Denkmals stellt den Duce dar und schließlich die Demokratie.

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