Arbeit

Wildcat: Unruhen in China

Als Beilage der Wildcat Nr. 80 erscheint die 80-seitige Beilage "Unruhen in China". Die Redakton weist im Editorial der Wildcat ausdrücklich darauf hin, dass sie für die Beilage nicht verantwortlich zeichnet, sondern diese unabhängig von der aktuellen Redaktion zusammengestellt worden sei. Bei der Lektüre beider Hefte wird diese unterschiedliche Autorenschaft dann auch sehr augenfällig.
Die Broschüre ist jedenfalls sehr gelungen. Es gelingt hervorragend, die recht komplexe Entwicklung in China zu vermitteln. Dabei wird sich keinesfalls auf die inzwischen recht breit besprochene Situation der Wanderarbeiter (mingong) beschränkt, sondern die Autoren schenken der Situation auf dem Land und den Umstrukturierungen in den ehemaligen Staatsbetrieben ebenso Aufmerksamkeit. Insgesamt liegt der Fokus darauf, klar zu machen, mit welcher Vehemenz und Geschwindigkeit in China seit Ende der 70er-Jahre die Klassenverhältnisse neu zusammengesetzt werden. Deutlich wird, dass dabei weder die Bauern noch die Wanderarbeiter und auch nicht die ehemals "priviligierten" Stadtarbeiter bloße Objekte der Partei sind. Vielmehr beschreiben die Autoren eine sehr dynamische Gesellschaftsentwicklung, in der die Revolte eine große Rolle spielt.
Sehr interessant ist auch der Beitrag "Arbeiterinnen im maoistischen Patriarchat", der zum Inhalt hat, dass es mit der vielbeschworenen Befreiung aus dem feudalistischen Patriarchat unter Mao nicht allzu weit her ist.
Außerdem gibt es einen lesenswerten Beitrag über den durch ein Massaker niedergeschlagenen Aufstand von 1989, die Bewegung von Tian`anmen.

02.12.07: Arbeit


Bild: (cc) martiniko

Der nächste negative Nachmittag des Seltsamen Zusammenschlusses hat ein sehr interessantes Thema. Biene Baumeister wird die Arbeit behandeln, anschließend ist mit einer interessanten Diskussion zu rechnen.

Kurt Tucholsky zum Eisenbahnerstreik

Eisenbahnerstreik

Unnötig.
Aber ohne jedes Recht.
Die Frau, die Kinder wollen Schuhe.
Wißt ihr, wie solcher Dienst den Körper schwächt?
Tag-, Nachtschicht und das bißchen Ruhe.

Ja, standet ihr schon mal am Führerstand?
Der Kessel glüht - es ziehn die Winde.
Heiß-kalt, kalt-heiß wird seine Führerhand . . .
Wo ist sein Sinn! Bei seinem Kinde?

Wo ist sein Sinn? Die Augen spähn: »Fahrt frei!«
Er darf nicht einen Griff versäumen.
Er sieht das Vorsignal und Weiche III -
Ihr könnt auf weichen Polstern träumen,

Wollt ihr nicht sichere Fahrt durch euer Land?
Wie soll der Dienst tun mit den Sorgen?
Zweihundert Leben in der einen Hand -
und dieser Hand will keiner, keiner borgen?

Er hats nicht leicht der Mann vom Flügelrad.
Stets droht der Tod. Er soll nicht ein Mal fehlen.
Ihr tuts für euch. Macht seine Kinder satt!
Wer fünf Milliarden für die Reichswehr hat:
der darf uns nichts von Sparsamkeit erzählen!

Autorenangabe: Theobald Tiger
Ersterscheinung: Die Weltbühne, 09.02.1922, Nr. 6, S. 149

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